Prof. Dr. Reinhard Flender

Foto Flender_Fotografin Monika Lawrenz
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Prof. Dr. Reinhard Flender

Hochschule für Musik und Theater Hamburg
Musikwissenschaft, Kulturwissenschaft, Kultur- und Medienmanagement

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Foto Flender_Fotografin Monika Lawrenz

Kulturelle Vervielfältigungstechnologien, wie die der Fotografie, haben die Produktion und Rezeption von Kunst und Kultur tiefgreifend verändert. Die Erfindung der Fotografie im 19. Jahrhundert bedeutete einerseits, dass eine der wichtigsten Finanzierungsquellen für bildende Künstler:innen versiegte, da die Nachfrage für Portrait-Maler:innen stark abnahm, andererseits löste diese technische Innovation einen ästhetischen Paradigmenwechsel in der bildenden Kunst aus: Das altgriechische Ideal der Mimesis, Kunst als genaue Abbildung der Natur, wurde nun infrage gestellt. Die Fotografie besetzte dieses Feld, wobei sich die Malerei zugleich neu erfand, sich von mimetischen Abbildungen entfernte und sich schließlich bis hin zur ästhetischen Innovation abstrakter Malerei weiterentwickelte. Insofern bedingen sich im Feld der kulturellen Innovation technologische und ästhetische Innovationen gegenseitig: Es findet eine Koevolution statt.

Zur Wechselwirkung von Technologie und Ästhetik: Professor Flenders erforscht die Entstehung und Auswirkung von kultureller Innovation

Diese komplexen Innovationprozesse, die der Vater der Innovationsforschung Schumpeter „schöpferische Zerstörung“ nannte, haben sich im 20. Jahrhundert durch die bahnbrechenden Innovationen von Tonträger, Radio, Film wie Fernsehen beschleunigt und sind mit der Erfindung des Computers und des World Wide Web zur kulturellen Norm geworden. So ist beispielsweise innerhalb weniger Jahrzehnte das Kulturprodukt CD aus dem Musikmarkt verschwunden und wird durch die kulturelle Dienstleistung „Musikstreaming“ ersetzt. Dadurch ist eine zentrale Finanzierungsquelle für die Musikbranche versiegt, weshalb diese Branche auf der Suche nach neuen Business Modellen ist. Zu solchen Wechselwirkungen zwischen technologischen, institutionellen sowie ästhetischen Innovationen im Kulturbereich und deren Auswirkung für das kulturelle Selbstverständnis einer Gesellschaft forscht der Leiter des Instituts für kulturelle Innovationsforschung (IKI) Professor Reinhard Flender. Hierbei verfolgt er das Ziel, mehr Erkenntnisse über die Entstehung des ästhetisch Neuen zu gewinnen. Als Professor für Kulturwissenschaft und Kulturmanagement an der HfMT Hamburg liegt sein Fokus dabei besonders auf dem Feld der Neuen Musik sowie der Herausforderung innovativer Klänge für das menschliche Ohr und deren neuronale Verarbeitung im Gehirn. Daraus leitet er Resonanzwirkungen bei Hörer:innenn mit unterschiedlichen Vorerfahrungen und  Altersstufen ab und untersucht die Kommunizierbarkeit des Neuen in der Musik. Dies führt zu völlig neuen Evaluationsmethoden von Qualität und Nachhaltigkeit innovativer künstlerischer Produktion.

Intervention im öffentlichen Raum: Musikvermittlung im mobilen Container

Neue Musik ist aufgrund ihrer avantgardistischen Ausprägung für einige nicht sofort zugänglich, weshalb Professor Flender bestehende Hürden für den Besuch von Konzerten zeitgenössischer Musik genauer betrachtete. Dabei wurde ersichtlich, dass potenzielle Zuschauer:innen die Chance eines Konzertbesuchs eher wahrnehmen würden, wenn sie die Möglichkeit hätten, vorab kurz in ein Konzert reinzuhören, der Ort der Veranstaltung in deren unmittelbaren Umgebung gelegen ist und dieser bei Nichtgefallen auch vorzeitig und unkompliziert verlassen werden könnte. Basierend auf diesem Wissen entwickelte Professor Flender als Kurator zusammen mit Frau Professorin Kurth für das Netzwerk „KLANG“ das Konzept des mobilen „KLANG – Containers“: ein transluzenter wie mobiler Ausstellungs- und Konzertraum. Vier Jahre lang tourte der Container mit einem vielfältigen musikalischen Programm durch die Metropolregion Hamburg. Hierbei brachte er Neue Musik direkt zum Publikum und vermittelte dadurch einen unkomplizierten Zugang zu ihr: Über Kopfhörer und Infotexte ließen sich Basisinformationen über Neue Musik abrufen, während Zuhörer:innen zugleich im „Sonic Chair“ – einem innovativen Klangsessel – die Vielfalt der ästhetischen Angebote Neuer Musik individuell kennen lernen konnten. Dass dieses innovative Format für die Musikvermittlung Wirkung zeigte, belegen die Ergebnisse in Zahlen: Der „KLANG – Container“ verzeichnete über 30.000 Besucher:innen, von denen die Hälfte im Anschluss an ihre neu gemachten Erfahrungen häufiger Konzerte für Neue Musik besuchten.

Kulturkommunikation

Aktuell entwickelt Professor Flender ein neues Forschungsprojekt, das sich mit der Auswirkung des Internets auf Kulturkommunikation beschäftigt. Hierbei steht die Dichotomie der Kommunikationsweise, wie sie sich im 20. Jahrhundert ausdifferenzierte, im Mittelpunkt: Während traditionelle Kulturbetriebe konservative Kulturkommunikation für ein exklusives Publikum pflegen, fixieren sich moderne Massenmedien auf Einschaltquoten. Da neue Technologien mittlerweile auch den Traditionshäusern die selbstständige Produktion von Medienangebote erlauben, wird sich dies in Zukunft wandeln: Mit der „Digital Concert Hall“ kommunizieren die Berliner Philharmoniker bereits auf einer neuen Ebene, wobei zur gleichen Zeit moderne Medienanbieter wie Netflix, Youtube, Spotify oder Apple Music ihr Angebot zu einem kulturellen „Supermarkt“ erweitern, der neben dem Mainstream auch innovative Nischenprodukte zugänglich macht. Kulturkommunikation wird sich also zu einem spartenübergreifenden interdisziplinären Feld weiterentwickeln, in dem kulturelle Diversität verhandelt wird. Aus diesem Grund ist zusammen mit der Claussen Simon Stiftung ein neuer Studiengang Kulturkommunikation geplant.

akademie kontemporär

Das IKI hat seit 2001 internationale Sommerakademien in Deutschland und Frankreich organisiert, die dem kreativem Nachwuchs auf dem Feld der Neuen Musik gewidmet waren. Ab 2021 soll in Hamburg mit der akademie kontemporär ein „Think Tank“ für zeitgenössische Musik entstehen, der sich u. a. mit Audience Development für Neue Musik in der Stadt beschäftigt. Sowohl der Standort Hamburg als auch die HfMT als Austragungsort sind laut der Strategieplanung von Professor Flender hierfür besonders geeignet. Schließlich ist es Professor Flender ein Anliegen, ein breites Publikum – über die Grenzen Hamburgs hinaus – für Neue Musik zu sensibilisieren. Das Gelingen dieser Vision ist, laut einer europaweiten Evaluationsstudie von Professor Flender und Frau Doktor Emerson, unter anderem von zwei Faktoren abhängig: Während traditionelle Konzertformate neu gedacht werden müssten, gilt es darüber hinaus die musikalische Expertise innerhalb der Bevölkerung zu steigern. Hinsichtlich traditioneller Formate zeigte sich bereits, dass Musikstücke, die multimediale Erweiterungen mit einbeziehen, besonders positiv vom Publikum aufgenommen werden.

Kulturwissenschaftler mit einer Begeisterung für Musik

Professor Flender ist ausgebildeter Musikwissenschaftler und Komponist, weshalb sich seine Leidenschaft für Musik als roter Faden durch seine Tätigkeiten, Lehre und Projekte zieht. Er verfügt darüber hinaus über die Fähigkeit, Kulturmanagement und künstlerisches Denken zu vereinen und ist dadurch für die Musikindustrie, Konzerthallen, Festivalveranstalter oder auch Museen ein wertvoller Berater.

Aktuelle
Forschungsprojekte /
Aktivitäten

akademie kontemporär: fördert die Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Musik von jungen Musiker:innen

Professor Flender leitet das musikalisch-performative Projekt akademie kontemporär, welches jungen Komponist:innen und Musiker:innen aus den Bereichen Neue Musik/Multimedia und des Jazz sowie Studierenden der Theaterakademie der HfMT die Möglichkeit gibt, mit Dozent:innen aus dem Bereich Theater/Performance und Mitgliedern eines Ensembles für Neue Musik zusammenzuarbeiten. Die von Professor Flender und seinem Team, für den Sommer 2021, geplante akademie kontemporär beleuchtet im Rahmen eines musikalisch-performativen Projekts mit interdisziplinärem Fokus die vielen verschiedenen Aspekte von „Farewell“ – dem Abschied. Hierfür konnten das Stuttgarter Team Herbordt/Mohren und Mitglieder des Berliner Ensembles LUX:NM gewonnen werden. Die Ergebnisse des Projekts sollen im Rahmen eines Abschlusskonzerts, jedoch auch schon als ‚Work in Progress‘ im Laufe der Projektwoche vom 29. August bis zum 05. September 2021 in einem hybriden Format vorgestellt werden.

Projektstatus: Laufend

Für mehr Infos bitte hier klicken.

ULYSSES Netzwerk: Audience Development Studie

Im Rahmen des europäischen Netzwerks ULYSSES, das sich europaweit für junge Komponist:innen und Interpret:innen zeitgenössischer Musik einsetzt, begleitete Professor Flender die Evaluationsstudie von Doktor Gina Emerson. Innerhalb dieser Forschungsarbeit wurde zum ersten Mal in einer groß angelegten empirischen Studie die Publikumserfahrung mit zeitgenössischer klassischer Musik untersucht. Gleichzeitig konnten durch die Studie Empfehlungen für Institutionen im Kontext von Neuer Musik präsentiert werden. So wartet die Studie beispielsweise mit Antworten auf Fragen danach auf, wie sich Publikumserfahrung verbessern ließe und welche Perspektiven sich zukünftig für Neue Musik mit Bezug auf das Publikum eröffnen könnten.

Link zu dem Research Report: http://project.ulysses-network.eu/audience-research/ 

KLANG! – Netzwerk für Neue Musik in Hamburg: Teilprojekt KLANG-Container

Professor Flender arbeitete, als Leiter des Instituts für kulturelle Innovation, mit an dem Konzept für „KLANG!“. Ziel des Projekts war es unter anderem, die Szene für Neue Musik in Hamburg zu fördern. Nach der Förderungszusage durch die Bundeskulturstiftung war Professor Flender als Kurator für das Teilprojekt „KLANG-Container“ tätig. Der „KLANG-Container“ war ein transluzenter mobiler Ausstellungs- und Konzertraum, der in den Sommermonaten über vier Jahre an verschiedenen Schlüsselstandorten der Stadt Hamburg aufgestellt wurde. Der Container bot Passanten die Möglichkeit mit Neuer Musik unkompliziert in Kontakt zu treten. Ende des Jahres 2011 wurde das Projekt „KLANG!“ mit Auslaufen der Förderung erfolgreich beendet.

Projektstatus: Abgeschlossen

Gründung des Instituts für kulturelle Innovationsforschung (IKI)

1999 wurde das Institut für kulturelle Innovationsforschung von Professor Flender als Schnittstelle zwischen Hochschulen, Kreativwirtschaft und Kulturpolitik gegründet. Am Institut erforscht Professor Flender die Entstehung neuer Kunst interdisziplinär aus der Perspektive künstlerischer Kreativität, ihrer gesellschaftlichen Rezeption und Finanzierbarkeit. Dafür nimmt das Institut folgende Aufgaben war: Beratung und Entwicklung neuer Curricula bzw. Studiengänge in der Lehre, Kompetenzentwicklung bei der Umsetzung von kulturellen Projekten und die Entwicklung von kulturspezifischen Evaluationsmethoden. Ziel des Instituts für kulturelle Innovationsforschung ist es, mehr Erkenntnisse über die Entstehung des Neuen zu gewinnen, um gleichzeitig auch in Zeiten finanzieller Knappheit Innovationen Raum zu geben.

Link: https://www.iki-hamburg.de/

Zukunftsvision

Professor Flenders Vision ist zum einen die tiefergehende Untersuchung der Schnittstelle zwischen ästhetischer und technologischer Innovation, wobei die Rolle von Kulturkommunikation und Kulturarchitektur in diesem Kontext besonders beleuchtet werden soll. Zum anderen möchte er in der Resonanzforschung die Rezeption von Kultur zusammen mit anderen Disziplinen, wie den Neurowissenschaften, erforschen.

Schwerpunkte

  • Kulturelle Innovationsforschung / Ästhetische Innovationsdiffusionsforschung
  • Kompetenzentwicklung bei der Umsetzung von kulturellen Projekten
  • Entwicklung von kulturspezifischen Evaluationsmethoden
  • Kulturkommunikation
  • Kunstvermittlung

Kooperationen

  • IRCAM Paris
  • Claussen Simon Stiftung
  • ZEIT-Stiftung
  • Ernst von Siemens Stiftung
  • Adalbert Zajadacz Stiftung
  • Hebrew University Jerusalem
  • University of Haifa, School of Arts

Interessiert an

  • Forschungskooperationen (Audience Development, Rezeption von Kultur, Wirkung von Kulturimmobilien)
  • Studien im Feld von kultureller Innovationsforschung
  • Kulturkommunikation

Professor Flender verfügt über langjährige Erfahrung in der Zusammenarbeit mit diversen Institutionen im Kulturbereich, so war er neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit Leiter einer Klassikabteilung in einem internationalen Musikverlag. Er ist besonders interessiert an Kooperationen mit Museen, Stiftungen, Konzerthäusern, Musikfestivals, der Musikindustrie und an Organisationen, die sich mit Kulturarchitektur auseinandersetzen.

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